Typisch kanarisches Essen: Eine kulinarische Reise durch die Kanarischen Inseln
Wer an die Kanarischen Inseln denkt, hat oft Sonne, Strand und beeindruckende Vulkanlandschaften vor Augen. Doch auch kulinarisch haben die Inseln einiges zu bieten. Die kanarische Küche ist ehrlich, bodenständig und geprägt von Einfachheit, regionalen Zutaten und einem Mix aus spanischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Einflüssen. In diesem Blogbeitrag werfen wir einen Blick auf einige der typischsten Gerichte, die man auf den Kanaren unbedingt probieren sollte.
1. Papas arrugadas con mojo – Runzelkartoffeln mit Soße
Ein Klassiker, der auf keiner Speisekarte fehlt: Papas arrugadas (übersetzt: „runzelige Kartoffeln“) sind kleine, ungeschälte Kartoffeln, die in stark gesalzenem Wasser gekocht werden, bis sie außen schrumpelig und innen weich sind. Dazu gibt es meist zwei Soßen: Mojo rojo (eine würzige, rote Paprikasoße mit Knoblauch und Chili) und Mojo verde (eine frische grüne Variante mit Koriander oder Petersilie). Dieses Gericht ist ein Symbol der kanarischen Küche – einfach, aber voller Geschmack.
Extra-Wissen & Varianten:
- Kartoffelsorten: Häufig kleine, festkochende Inselkartoffeln („papas bonitas“). Das Salz bildet eine feine Kruste – genau das sorgt für die typische Runzel-Optik.
- Mojo rojo/verde: Von mild bis feurig – je nach Chili (pimienta picona) und Knoblauch. In einigen Regionen kommt Kreuzkümmel hinzu.
- So isst man’s: Papas werden oft als Tapas oder Beilage zu Fisch/Fleisch gereicht – stets mit reichlich Mojo zum Dippen.
- Getränke-Tipp: Trockener Malvasía (weiß) oder ein leichter Listán Negro (rot) passt hervorragend.
Zu Hause probieren (Kurz-Anleitung): 1 kg kleine Kartoffeln waschen, mit Wasser nur knapp bedecken, 3–4 EL grobes Meersalz zugeben, ohne Deckel kochen, bis das Wasser fast weg ist. Topf vom Herd, kurz „trockendampfen“, schwenken – fertig.
2. Gofio – Das uralte Grundnahrungsmittel
Gofio ist geröstetes Getreidemehl (meist aus Mais oder Weizen), das schon von den Ureinwohnern der Kanaren, den Guanchen, verwendet wurde. Heute findet man Gofio in vielen Formen: im Frühstück mit Milch, als Beilage zu Suppen, in Desserts oder sogar als energiereiches Lebensmittel für Sportler. Es schmeckt leicht nussig und ist sehr nahrhaft.
So wird Gofio genutzt:
- Herzhaft: In Suppen eingestreut, als Bindemittel oder als Gofio escaldado (mit Brühe zu einem Dip gerührt, oft mit Zwiebelringen).
- Süß: Mousse/Parfait aus Gofio, Sahne und Honig; als Topping über Obst.
- Nährwert: Sättigend, ballaststoffreich – ideal nach Wanderungen.
Allergie-Hinweis: Es gibt Varianten aus Mais (glutenarm), Weizen oder Gerste. Bei Unverträglichkeiten gezielt nachfragen.
3. Fisch und Meeresfrüchte – Frisch und vielfältig
Auf Inseln wenig überraschend: Fisch spielt eine große Rolle. Besonders beliebt ist Vieja (Papageienfisch), der oft gegrillt serviert wird. Auch Calamares, Pulpo (Oktopus) oder Sardinen stehen häufig auf der Speisekarte – meist einfach zubereitet mit etwas Knoblauch, Olivenöl und natürlich Mojo.
Was du probieren solltest:
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A la plancha: Schonend auf der Grillplatte zubereitet – außen kross, innen saftig.
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Pulpo a la gallega (kanarischer Stil): Mit Paprikapulver, Olivenöl, grobem Salz; manchmal auf Kartoffelscheiben.
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Sardinas asadas: Gegrillte Sardinen, perfekt an der Küste.
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Beilagen: Papas arrugadas, Salat, gegrilltes Gemüse – simpel und frisch.
Wo essen? In Cofradías (Fischerkooperativen) am Hafen gibt’s topfrische Ware zu fairen Preisen.
Getränke-Tipp: Knackiger Insel-Weißwein (z. B. Albillo Criollo, Verdello).
4. Ropa vieja – „Alte Kleidung“ schmeckt besser, als sie klingt
Der Name dieses deftigen Eintopfs mag kurios sein, doch das Gericht selbst ist köstlich. Ursprünglich ein Resteessen, wird Ropa vieja heute mit Kichererbsen, Fleisch (meist Rind oder Huhn), Paprika, Zwiebeln und Tomaten gekocht. Die Aromen verbinden sich zu einer herzhaften Mahlzeit, die wunderbar sättigt.
Details & Varianten:
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Textur: Oft „geschmort & geschreddert“ (das Fleisch wird gezupft), dazu zart-cremige Kichererbsen.
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Regional: Manche Inseln geben Kartoffelwürfel oder Chorizo hinzu, andere würzen kräftiger mit Lorbeer und Kreuzkümmel.
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Veggie-Version: Statt Fleisch mehr Gemüse (Paprika, Zucchini), Kichererbsen bleiben der Star – Mojo verde dazu.
Pairing: Ein mittelkräftiger Rotwein (Listán Negro, Negramoll) oder – rustikal – ein kühles Dorfbier.
5. Postres – Süße Verführungen zum Abschluss
Auch die Desserts der Kanaren sind einen Versuch wert. Besonders beliebt ist Bienmesabe („schmeckt mir gut“) – eine süße Mandelcreme mit Honig, Eiern und Zimt, oft serviert mit Eis. Oder probieren Sie Frangollo, ein traditioneller Pudding aus Maismehl, Milch, Zucker, Mandeln und Rosinen.
Noch mehr Süßes:
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Quesillo: Kanarischer Karamellflan – samtig, mit Kondensmilch.
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Príncipe Alberto (La Palma): Schoko-Mandel-Dessert, mächtig, festlich.
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Barraquito: Schichtkaffee mit Kondensmilch, Espresso, Likör (meist 43), Zitruszeste & Zimt – kein Dessert, aber fast so süß.
Allergie-Hinweis: Viele Desserts enthalten Mandeln, Milch, Ei – auf Wunsch nach Alternativen fragen.
Fazit: Einfach, aber voller Geschmack
Die kanarische Küche lebt von der Qualität ihrer Zutaten, von traditionellen Zubereitungen und dem Stolz auf die eigene Esskultur. Wer die Kanarischen Inseln besucht, sollte sich unbedingt durch die lokalen Spezialitäten probieren – am besten in einer kleinen Guachinche (eine Art familiäre Taverne auf Teneriffa) oder auf einem der zahlreichen Wochenmärkte.
Ob als kulinarische Entdeckung auf Reisen oder als Inspiration für die heimische Küche: Typisch kanarisches Essen ist ein Genuss für alle Sinne.
Praktische Genuss-Tipps
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Guachinches verstehen: Vor allem im Norden Teneriffas (La Orotava, Tacoronte). Saisonale Öffnungszeiten, einfache Karte, sehr faire Preise.
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Mehr Insel-Spezialitäten:
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Queso Majorero (Ziegenkäse, Fuerteventura) – jung mild, gereift würzig.
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Almogrote (La Gomera) – pikanter Käseaufstrich, ideal zu Brot und Papas.
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Mojos weiterdenken: Mojo de cilantro (Koriander), mojo de perejil (Petersilie), mojo de almendras (mit Mandeln).
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Märkte & Direktverkauf: Frisches Obst (Bananen, Papaya, Avocado), Tomaten, Ziegenkäse – perfekt für Picknicks nach Wanderungen.
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Vegetarisch/Vegan: Papas, Mojos (ohne Mayo), gegrilltes Gemüse, Salate, Gofio-Gerichte; vielerorts inzwischen auch vegane Optionen.
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Nachhaltig genießen: Saisonale Produkte, lokale Weine, Wasser in Karaffen statt Einweg, Fisch aus nachhaltigem Fang bevorzugen.